WO?     Ruyigi
WER?     „Maison Shalom“
WAS?     Weiterbildungsprogramme für die lokale Provinzbevölkerung in Landwirtschaft, Hygiene und Ernährung

 

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Bericht einer Projektreise - Frauen lernen und geben ihr Wissen an die Gemeinschaft weiter

Wer wie ich zum ersten Mal nach Burundi reist, ist überwältigt von der Schönheit dieses Landes! Seine tausend Hügel, seine Eukalyptusbäume, seine Tee- und Kaffeplantagen und seine Strände lassen dieses Land als Traumurlaubsort erscheinen! Die Realität hinter der Kulisse hat aber nichts mit einem Traumland zu tun! Burundi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Wie sein Nachbarland Ruanda ist es gezeichnet von dem Konflikt zwischen Hutu und Tutsi. Nach über zehn Jahren Bürgerkrieg liegt die Wirtschaft des Landes brach, über hunderttausend Menschen leben in Flüchtlingslagern, das Gesundheitssystem ist in einem katastrophalen Zustand, zahllose Schulen sind zerstört. Mit über 50 Prozent Analphabeten nimmt Burundi unter den afrikanischen Ländern einen traurigen Spitzenplatz ein. Waisenkinder sind in Burundi ein Massenphänomen: Infolge von Bürgerkrieg, Vertreibungen und Flüchtlingsströmen sowie AIDS machen sie inzwischen über 10 Prozent der Bevölkerung aus. Vor allem auf dem Land leben diese Kinder unter unwürdigen Bedingungen. Viele enden in den Straßen der Hauptstadt Bujumbura, wo es inzwischen über 5.000 Straßenkinder geben soll.

 

Unser Partner

Die burundische Nicht-Regierungs-Organisation „Maison Shalom“ ist Urheberin und Leiterin zahlreicher Projekte und Aktionen, die sich in erster Linie um die Kriegswaisen aus den neunziger Jahren kümmern. Doch der Bedarf hat sich im Verlauf der Jahre entwickelt und teilweise auch gewandelt. Immer mehr Menschen kamen aus den umliegenden Dörfern und Gemeinden und suchten Hilfe, wodurch viele neue Initiativen und Projekte entstanden sind. Das „Centre Mère-Enfant“ ist ein Projekt, das über mehrere Jahre durch die enorme Nachfrage gewachsen ist. Anfänglich ging es darum, den Kindern der „Maison Shalom“ und vor allem den jungen Mädchen Vorsorgekurse zum Thema AIDS zu geben. Durch die medizinische Betreuung von Schwangeren und Kleinkindern wurden andere Themen und Probleme ebenfalls aktuell. Das Mutter-Kind-Zentrum wurde schnell zu einer Anlaufstelle vieler Menschen und im April 2007 konnte ein neues Gebäude eingeweiht werden. Seitdem und noch vielmehr seit der Fertigstellung des „Hôpital REMA“ hat sich die Betreuung der Bevölkerung stark verbessert. Einerseits können im Spital die Frauen unter korrekten Bedingungen gebären und andererseits werden sie im „Centre Mère-Enfant“ betreut und in verschiedenen Gesundheitsthemen unterwiesen. Die Mitarbeiter unterrichten auch in den umliegenden Dörfern. Aus der enormen Nachfrage heraus wurde eine neue Form von Weiterbildung gesucht, denn die Angebote waren bis dato weder systematisiert noch genügend strukturiert.

Das Projekt

„Der Vogel, der nicht fliegt, weiß nicht wo reife Früchte sind.“ So lautet ein Sprichwort in Burundi. Doch auch Fliegen würde in diesem Land nicht viel weiterhelfen, denn Früchte gibt es einfach zu wenig. Durch einen enormen Preisanstieg sind Grundnahrungsmittel oftmals unerschwinglich. Über 60 Prozent der Bevölkerung leidet an Unterernährung, laut dem Welthungerindex 2011. Somit teilt sich Burundi mit der Demokratischen Republik Kongo die beiden letzten Plätze in der Rangliste. Selbstversorgung durch Landwirtschaft und Viehzucht ist für die Bevölkerung in den ländlichen Gebieten Burundis überlebenswichtig. Doch die Bauern in der Provinz Ruyigi haben meist nicht einmal genügend Einkommen, um sich Grundnahrungsmittel leisten zu können. Für Schulbesuche der Kinder oder medizinische Versorgung reichen die finanziellen Mittel erst gar nicht. Anstatt die Kinder immer wieder im „Centre Mère Enfant“ aufzupäppeln, will unser Partner das Problem bei der Wurzel packen und diesem Übel ein Ende setzen. Die Mütter sollen erfahren wie sie durch bessere Hygiene und vielseitigere Ernährung das Wachstum ihrer Kinder fördern und so viele Krankheiten vermeiden können. Somit werden in einem Dreijahres- Projekt 150 Frauen (50 pro Jahr) aus verschiedenen Dorfgemeinschaften eine fundierte Ausbildung im Bereich Hygiene und Ernährung erhalten. Darüber hinaus erfahren sie wie sie ihre landwirtschaftlichen Flächen effizienter nutzen können, wie Bepflanzung und Pflege der Aussaat funktionieren. Für die landwirtschaftliche Ausbildung steht ein Agronom zur Verfügung. Benötigte Geräte für den Anbau werden zur Verfügung gestellt und die Beschaffung von Saatgut gehört ebenfalls zum Projekt. Schon 100 Frauen aus 2 verschiedenen Regionen wurden ausgebildet.

Unser Besuch in einem der Dörfer hat uns die Augen für die Dringlichkeit dieses Projektes geöffnet. Mangel- und Unterernährung begegneten uns ins diesem abgelegenen Dorf auf Schritt und Tritt. Umso mehr freuten wir uns über die ersten Erfolge dieses Projektes. Im Umfeld der „Leader-Frauen“ leiden viel weniger Kinder an Unterernährung. Auch haben Durchfall und andere Krankheiten abgenommen. Bei Ernährungsfragen kommen die Nachbarinnen auf die „Leader-Frauen“ zu und die letzteren teilen gerne ihr Wissen mit. Denn darum geht es ja in diesem Projekt: dass möglichst viele Frauen die Zusammenhänge zwischen Hygiene, Ernährung und Gesundheit verstehen und sich für die neuen Agrartechniken interessieren. Langsam aber sicher wird sich dann das Gesicht dieser Dörfer verändern. In der Region Kumoso haben die Frauen vor kurzem fleißig gesät und sie warten jetzt auf ihre erste Ernte. Von Herzen wünschen wir ihnen, dass sie reich ausfallen wird.

Véronique Weis

CSI - MAGAZIN